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QGIS in der Windkraftbranche

31. August 2026

Digitale Geodaten sind aus der modernen Windkraftplanung nicht mehr wegzudenken. Von der ersten Flächensuche bis zur konkreten Standortplanung bilden sie die Grundlage für fundierte Entscheidungen. In der Praxis stehen dabei vor allem räumliche Fragen im Fokus: Wo finden sich geeignete Flächen für Windkraftanlagen? Welche Abstände sind zu Wohngebieten, Straßen oder Schutzgebieten einzuhalten? Wie können Zufahrtswege geplant werden? Um die dafür nötigen Geodaten zusammenzuführen, zu analysieren und übersichtlich aufzubereiten, sind Geoinformationssysteme unverzichtbare Werkzeuge. 

Gründe für QGIS

Das Geoinformationssystem QGIS wird von einer wachsenden Anzahl von Akteuren in der Windkraftbranche eingesetzt. Es eignet sich aus vielen Gründen sehr gut für die Planungsprozesse rund um Suche, Analyse, Genehmigung, Bau und Verwaltung von Windkraftanlagen.

  • Open Source: Die Software ist quelloffen und kostenfrei, sodass keine Lizenzgebühren anfallen. Sie steht Einzelpersonen, Unternehmen und Behörden sofort zur Verfügung. Da der Quellcode öffentlich zugänglich ist, sind Nutzer unabhängig von einzelnen Softwareanbietern. Zudem entwickelt eine große Community die Software stetig weiter.

  • Flexibilität (Plugins): Der Funktionsumfang von QGIS lässt sich durch zahlreiche Plugins gezielt erweitern. Sollte eine Planungsfirma beispielsweise eine ganz spezifische Funktion in QGIS benötigen, die noch nicht existiert, könnte Sie jederzeit für die eigenen Mitarbeiter:innen ein eigenes Plugin entwickeln oder es bei einem Dienstleister beauftragen. 

  • Interoperabilität: QGIS unterstützt zahlreiche Datenformate und vermutlich alle Geodatenformate auf dem Markt. Es kann über 100 verschiedene Vektor- und Rasterformate lesen, bearbeiten, konvertieren und exportieren. Webdienste lassen sich ebenfalls nahtlos einbinden, sodass auf eine Vielzahl von Hintergrundkarten direkt im QGIS-Projekt zurückgegriffen werden kann.

  • Kompatibilität mit PostGIS: QGIS ist perfekt kompatibel mit PostGIS, einer Open Source Geodatenbank, die professionelles, zentrales Datenmanagement und Mehrbenutzerumgebung ermöglicht.

Darüberhinaus erledigt QGIS zuverlässig klassische Aufgaben eines Geographischen Informationssystems wie andere proprietäre Geoinformationssysteme: 

  • Automatisierung: Wiederkehrende Arbeitsschritte können mit dem Graphical Modeler automatisiert werden. 

  • Analyse: Unterschiedliche Geodaten wie Gebäude, Straßen, Schutzgebiete oder Höhenmodelle können in einem Projekt kombiniert und bei Bedarf miteinander verschnitten werden.

  • Darstellung & Visualisierung: Im Layoutmodus von QGIS können State-of-the-Art Karten erstellt werden. Bewährte Kartenlayouts (z.B. mit eigenem Firmenstempel) können als Vorlage gespeichert werden, sodass sie beim nächsten Mal zeitsparend eingesetzt werden können.

Anwendungsbereiche von QGIS in der Windkraftplanung

QGIS unterstützt viele Phasen eines Windenergieprojekts – von der Flächensuche bis zum Betrieb. Es verknüpft unterschiedliche Geodaten, analysiert räumliche Zusammenhänge und stellt die Ergebnisse als Karte dar. Besonders häufig kommt QGIS in folgenden Bereichen zum Einsatz:

Potenzial- und Weißflächenanalyse
Mit QGIS können Planer:innen ungeeignete Flächen anhand verschiedener Restriktionen ausschließen, etwa durch Pufferzonen zu Wohngebieten, Straßen oder Schutzgebieten. Die verbleibenden Gebiete “Weißflächen“  werden anschließend auf Windhöffigkeit und Geländeeignung geprüft. Viele dieser Schritte lassen sich effizient mit QGIS-Werkzeugen wie Puffer, Verschneidungen und Differenzberechnungen umsetzen. Ein Beispiel aus unserem Kurs QGIS in der Windkraftplanung – Basics verdeutlicht dies an einem Beispiel mit Windkraftanlagen, Siedlungsflächen und Leitungen.

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2. Detail- und Infrastrukturplanung
Stehen die Standorte fest, können Planer:innen mit QGIS die notwendige Infrastruktur planen. Dazu zählen Zufahrtswege, Kurvenradien für Schwertransporte, Kranstellflächen und Kabeltrassen zum Umspannwerk. Auch die Detailplanung lässt sich gut an einem Beispiel aus unserem Kurs zeigen – anhand der Zuwegung, der Kranstellfläche, der Montageflächen und der Anlagestandorte.

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3. Umwelt- und Immissionsschutz
Biotope sowie Vogel- und Fledermausreviere können beispielsweise mit der QField-App erfasst werden. Auch Schall- und Schattenauswirkungen lassen sich kartografisch darstellen. Sichtfeldanalysen (etwa mit dem Plugin „Visibility Analysis“) zeigen zudem, von welchen Standorten aus die Anlagen sichtbar sind. 

4. Liegenschafts- und Pachtmanagement
Potenzialflächen können beispielsweise mit ALKIS-Daten abgeglichen werden. Das Plugin „Flurstückssuche DE“ hilft beim Auffinden einzelner Flurstücke. Pachtverträge, Nutzungsrechte sowie Eigentümerdaten können mit den Flurstücken verknüpft und in QGIS oder im Optimalfall in einer PostGIS-Datenbank verwaltet werden.

5. Genehmigung und Kartografie
Im QGIS-Drucklayout lassen sich aussagekräftige Übersichts- und Detailkarten für Genehmigungsverfahren erstellen. Die Atlas-Funktion in QGIS automatisiert das Erstellen mehrerer Kartenblätter. Die Karten machen die Planung für Behörden und Gemeinden nachvollziehbar. 

6. Betrieb und Repowering
Während der Betriebsphase dient QGIS dem Management von Windparks. Standorte, Anlagentypen, Baujahre und Wartungsdaten können zentral erfasst werden. Beim Repowering bewertet die Software ältere Standorte neu und identifiziert Potenziale für moderne Anlagentypen.

Fazit

QGIS ist ein mächtiges und flexibles Werkzeug für die moderne Windkraftplanung. Durch die Open-Source-Natur, die hohe Flexibilität mittels Plugins und die effiziente Automatisierung von Arbeitsschritten unterstützt es Planer:innen bei komplexen Aufgaben – von der ersten Flächenanalyse, über die konkrete Planung bis hin zum operativen Management von Windparks.